Endgültig Home

Alles schläft, einer wacht…

Am Donnerstag war wieder einmal Kinotag. Auf die Augen (und vor allem auch auf die Ohren) gab es “Home”;
das Langspielfimdebut der Filmemacherin Ursula Meier.

Die Handlung ist einfach erklärt: Eine Familie, bestehend aus den Eltern (Isabelle Huppert [großartige Aufnahmen, wenn ihre Haare in der heißen Sommersonne leuchten]und Olivier Gourmet) und drei Kindern, wohnt [...]

Alles schläft, einer wacht…

Am Donnerstag war wieder einmal Kinotag. Auf die Augen (und vor allem auch auf die Ohren) gab es “Home”;
das Langspielfimdebut der Filmemacherin Ursula Meier.

heimkino

Die Handlung ist einfach erklärt: Eine Familie, bestehend aus den Eltern (Isabelle Huppert [großartige Aufnahmen, wenn ihre Haare in der heißen Sommersonne leuchten]und Olivier Gourmet) und drei Kindern, wohnt in einem Haus an einer still gelegten Autobahn.
Eines Tages wird diese Trasse für den Vekehr freigegeben und somit rollen unmittelbar am Haus Tag für Tag tausene Autos vorbei.

sodapictures11 Der Film zeigt, wie aus wenigen Autos viele werden, wie der Lärm zunimmt und der Dreck anwächst, wie der Aktionsradius eingeschränkt wird und die Lebensqualität schrumpft. Wie sich das trotzige “Von den paar Karren lassen wir uns doch nicht vertreiben!” wandelt in suizidale Verzweiflung, Abschottung und Einkerkerung. Das ist im Großen und Ganzen zwar ziemlich gruselig, entbehrt aber im Einzelnen glücklicherweise nicht jenes Galgenhumors, der auch weite Teile der Menschheit auszeichnet, die angesichts der dramatisch schlechten Weltlage unverdrossen daran glauben, dass sich alles irgendwie zum Besseren wenden wird.
Man kann (wie ein schweizer Kritiker über diesen Film urteilt) in der dargestellten Situation der isoliert lebenden, kleinen Gemeinschaft, die auf den zunehmenden Verkehr vor ihrer Haustür mit einem zunehmend selbst destruktiv werdenden Rückzug reagiert, eine Anspielung auf die politische Neutralität der Schweiz sehen, denn die Regisseurin ist Schweizerin. Und sich dann fragen, ob eine solch neutrale Haltung angesichts von Problemen, die nach globalen Lösungen verlangen, noch zeitgemäß ist?
Auf der anderen Ebene lassen sich im Verhalten der Figuren Verdrängungsstrategien und Selbsttäuschungsmanöver erkennen, die das Überleben in lebensfeindlicher Umgebung auf den ersten Blick unterstützen. Denn was machen die Mitglieder der Familie, als sich ihre Umwelt in eine stetig wachsende Bedrohung verwandelt? Als sie beim Überqueren der Straße tödlicher Gefahr ausgesetzt sind, die Abgase das Gemüse im Garten vergiften und der ständige Lärm die Nerven blank wetzt? Sie rücken enger zusammen. Sie vertiefen den Graben, der sie von den anderen trennt. Sie konzentrieren sich ganz auf sich und blenden die Außenwelt aus. Sie tun so, als ob nichts wäre. Sie schließen Kompromisse, die in Wahrheit keine sind; so zum Beispiel wenn die Mutter ihren Sohn mitten in der Nacht weckt, damit er auf der dann kaum befahrenen Autobahn Rollschuh fahren kann, so wie früher. Anstatt, und das ist entscheidend, Widerstand zu leisten, auf- und auszubrechen, die eigene Lage zu verändern, verkriecht sich die Familie in ihr Nest. Im wahrsten Sinne des Wortes und mit beinahe tödlicher Konsequenz: Sie mauert sich ein.

Mein Fazit: Man wird Zeuge eines langsamen, aber sicheren Durchdrehens – und wünscht sich, wie die Figuren, dass es aufhören soll.








Rating: ★★★★★★★☆☆☆
  1. cc by sodapictures []
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Ein Trackback

  1. zone-g on 28. Juli 2009

    Gesellschaftsessen…

    Man muß die Suppe kosten, bevor man sie lobt.
    Sprichwort
    Letzte Woche habe ich ja einen Ausflug in die Schweizer Kinokunst gewagt. Einen Bericht dazu gibt es bei meinem Begleiter.
    Gestern war dann auch wieder französischsprachiges Kino auf de…

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