Hallo liebe Leser von endgueltig! Hier “spricht” ausnahmsweise nicht der Sascha, der momentan in Wien weilt, sondern ein Wesen von außerhalb. Mein Name ist Julia und ich schreibe normalerweise auf 49 Suns. Im letzten Monat war ich in Urlaub und Sascha war so freundlich einen Gastbeitrag als Vertretung beizusteuern. Dies hier ist sozusagen das Gegenstück. viel Spaß beim Lesen!
Bei der Themensuche für diesen und weitere Gastbeiträge hatte ich die Idee, eine fantastische TV-Serie in einer blogübergreifenden Beitragsserie vorzustellen. Es wird hier und in weiteren Blogs in den nächsten Wochen um Doctor Who gehen, die als am längsten laufende und erfolgreichste Science-Fiction-Serie im Guinness-Buch der Rekorde steht. Wer die Serie kennt (und liebt) wird jetzt sagen, dass das selbstverständlich ist. Hierzulande haben viele aber noch nicht mal davon gehört und deswegen starte ich diesen kleinen Bekanntmachungsfeldzug. Eine Ursache für die Unbekanntheit ist, dass nur wenige Folgen in Deutschland ausgestrahlt und die meisten nie deutsch synchronisiert wurden. Aber solche britischen Fernsehperlen sollte man sich sowieso im Original anschauen.
Worum geht es überhaupt?
Die Einordnung als “Science-Fiction” ist nur bedingt treffend, denn als die Serie 1963 von der BBC konzipiert und ausgestrahlt wurde, war es eine Familienserie mit Unterhaltungs- und Bildungsanspruch, die Sci-Fi-Elemente beeinhaltete.
Die Hauptperson ist der Doktor, der mit im Laufe der Jahre wechselnden Assistenten in seiner TARDIS durch Raum und Zeit reist. Dabei stolpern sie in Abenteuer in vergangenen Zeiten mit Höhlenmenschen, Azteken und Römern und auf fremden Planeten mit Insektenmenschen, pfefferstreuerartigen Robotern und überirdischen Spielzeugmachern. Einige der Kreaturen waren sehr beliebt und tauchten immer wieder auf, wie wir noch sehen werden. Bei Abenteuern auf der Erde der Zukunft wurden aktuelle Themen aufgegriffen und so begegnete die Truppe u.a. Computern, die die Weltherrschaft übernehmen wollen und ständigen Raumstationen. Ebenso futuristisch war die berühmte Eröffnungssequenz mit neuartigen Videotricks und elektronischer Musik:
Die Raum-Zeit-Maschine ist im deutschen weiblich, da die Abkürzung für Time and Relative Dimension(s) in Space steht, wird im englischen Original aber mit “it” angesprochen. Die Bezeichnung Doctor Who ist nicht der Name der Hauptfigur, sondern der Tatsache geschuldet, dass er keinen Namen außer dem Titel hat und auf die Frage “Doktor Wer?” mit “Einfach nur Doktor!” antwortet. Der Namenlose ist ein sogenannter Time Lord, was jedoch nicht von Beginn an klar war, da die Produzenten sich das erst später ausgedacht haben (dazu am Ende des Beitrags mehr).
Als am Samstag, den 23. November 1963 An Unearthly Child in schwarz-weiß ausgestrahlt wurde, traf der Zuschauer zum ersten Mal auf den schrulligen Doktor und seine Enkelin Susan, die in der Schule durch ihre Wissenslücken in Kombination mit großem Wissen auffällt. Ihre Lehrer Ian und Barbara beschließen der Sache auf den Grund zu gehen und entdecken dabei die TARDIS in Form der mittlerweile ikonischen blauen Polizeizelle (die man mit Glück auch an Laternenpfählen in Blackpool bewundern kann). Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände reisen die vier ins Jahr 100.000 v. Chr. und erleben das erste von vielen, vielen Abenteuern. Ein Problem ist nämlich, dass der Doktor nicht genau steuern kann, wo die TARDIS als nächstes landet und so sind Überraschungen vorprogrammiert.
Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass in eine Telefonzelle unmöglich vier Personen und ausgeklügelte Technik zum Raumzeitreisen hinein passen. Richtig, aber die TARDIS ist innen größer als außen, wie man in nebenstehendem Bild von der Konsole sehen kann. (Das Bild ist aus dem Doctor Who-Museum in Blackpool und in der Serie sah das so ähnlich aus.)
Knappes Budget = wackelige Kulissen + fantastische Geschichten
Eine Sache, die Nicht-Fans der Serie immer wieder vorwerfen ist die durch das sehr knappe Budget bedingte schlechte Ausstattung. Anfangs musste die Produktion mit 2000 Pfund für jede 25-minütige Folge auskommen, was im Vergleich zu heute geradezu lächerlich wirkt. Davon wurden die Kulissen, Kostüme, Requistien, Make-Up etc. und ein Teil der Löhne bezahlt. Studio, Kameras und eine gewisse Zahl Arbeitsstunden standen allen BBC-Serien grundsätzlich zur Verfügung, waren aber natürlich auch knapp bemessen.
Des Weiteren waren nur eine Handvoll Schnitte erlaubt, da das Tape so wertvoll war. Es wurde deswegen praktisch an einem Stück aufgenommen und nachträglich fast nichts mehr geändert. Die Produktion einer Folge dauerte eine Woche, d.h. Montags bis Donnerstags wurde geprobt und die Sets aufgebaut (Außenaufnahmen gab es nur selten). Am Freitag wurde alles im Studio einige Male durchgespielt und am Abend innerhalb von 90 Minuten mit mehreren Kameras auf Film gebannt. Man kann sich das etwa so vorstellen wie ein live übertragenes Theaterstück, bei dem zur Übertragung zwischen den verschiedenen Kameras hin- und hergeschaltet wird.
Dass die Serie trotz dieser technischen Nachteile so beliebt war und bis heute ist, liegt an ihren menschlichen Stärken, d.h. den Schauspielern, Kulissenbildnern, Regisseuren und besonders den Drehbuchschreibern. Die spannenden Geschichten sorgten dafür, dass der Zuschauer gebannt war und mit allerlei genialen Tricks wurde im Verborgenen dafür gesorgt, dass die Unzulänglichkeiten nicht zu sehr auffielen. Jede Geschichte bestand aus zwei bis zwölf zusammenhängenden Folgen, die jeweils mit einem Cliffhanger endeten und so garantierten, dass in der nächsten Woche wieder eingeschaltet wurde.
Heutzutage wird selten komplett in chronologischer Reihenfolge gedreht. Außerdem werden meistens mehrere Takes einer Szene gedreht und aus verschiedenen Blickwinkeln, Zoomstufen etc. Das Endprodukt entsteht später im Schneideraum und oft entscheidet sich erst dort, welche Szenen und Versionen es in die endgültige Fassung schaffen. Das stand Mitte der Sechziger schon bei der Aufnahme fest und trotzdem gibt es erstaunlich wenige Fehler wie Versprecher, Stolperer oder sichtbares Filmequipment.
Der erste Doktor: William Hartnell
Eine Quelle für viele, mittlerweile legendäre Versprecher war der Darsteller des ersten Doktors, William Hartnell. Er konnte sich nicht immer die kompletten bzw. richtigen Texte merken, was in Verbindung mit den fehlenden Wiederholungsmöglichkeiten besonders auffiel. Die Versprecher werden “Billy-Fluffs” (Billy-Patzer) genannt, aber die meisten bemerkt man nur, wenn extra darauf hingewiesen wird.
Seine Darstellung des Doktors wird von vielen als die einzig wahre angesehen (so wie Sean Connery “der einzig wahre Bond” ist), was natürlich zum Teil daran liegt, dass er der erste Doktor war. Es ist aber auch seiner hervorragenden Spielweise geschuldet, die den Doktor sowohl weise und helfend zeigt, als auch ruppig und herablassend. Ich habe mittlerweile ein Dutzend komplette Geschichten (über 50 Folgen) mit ihm gesehen und ich kann verstehen, warum er von vielen als ihr Lieblingsdoktor bezeichnet wird.
William Hartnells Gesundheit und auch Reibereien mit einem neuen Produktionsteam führten dazu, dass in der vierten Staffel eine geniale Idee umgesetzt wurde, die dafür verantwortlich ist, dass die Serie so lange ununterbrochen lief. In der letzten Folge von The Tenth Planet bricht der Doktor geschwächt nach einem Kampf zusammen und verwandelt sich in einen jüngeren Mann: den zweiten Doktor (Patrick Troughton). Mit dieser ungewöhnlichen Verwandlung war auch klar, dass es sich beim Doktor nicht um einen Menschen handelt. Die Bezeichnung “Time Lord” tauchte allerdings erst später auf und auch, dass der Doktor eine sogenannte “Regeneration” durchgemacht hatte.
Mehr vom zweiten Doktor, Restaurationsarbeiten und den sogenannten “lost episodes” gibt es im nächsten Beitrag, der bei Suriel erscheinen wird.
12 Folgen kostenlos online anschauen
Bei blinkbox können zwei Geschichten zu je sechs Folgen mit William Hartnell in hervorragender Qualität (im Vollbildmodus nutzbar) angesehen werden. Es gibt The Sensorites (Folge 1) aus der ersten Staffel und The Web Planet (Folge 1) aus der zweiten Staffel. Dies ist eine fantastische Gelegenheit und die beiden Geschichten geben einen guten Eindruck vom ersten Doktor. Besonders bei The Web Planet sind die Figuren teilweise ziemlich krude, aber davon darf man sich nicht ablenken lassen, sondern in das Schicksal der Menoptra eintauchen. Zum Einstieg eignen sich The Sensorites sehr gut, da am Anfang kurz auf die vorherigen Abenteuern eingegangen wird, aber besonders weil die Stimmung und Story wirklich hervorragend ist. Auf der Seite gibt es Infos zu den einzelnen Folgen und Links zu den jeweiligen BBC-Seiten. Die Seite ist legal und finanziert sich durch Werbung (1x kurz in der Mitte jeder Folge) und über Partnerverkäufe von Amazon.
Nachtrag: Link zum nächsten, zweiten Beitrag
Tags:49Suns, Doctor Who
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