Endgültig am Anfang

Wo der gute Sascha sich in Wien vergnügt, bleibt sein Blog natürlich nicht unbewacht, wie ihr vermutlich schon bemerkt habt. Eine ganze Schar Gastautoren tobt sich aus, um euch bei der Stange zu halten. Eigentlich war ich ja gestern schon dran. Leider hab ich’s dann total verschwitzt, meinen Gastbeitrag zu schreiben. Also gibt’s heute nach [...]

Wo der gute Sascha sich in Wien vergnügt, bleibt sein Blog natürlich nicht unbewacht, wie ihr vermutlich schon bemerkt habt. Eine ganze Schar Gastautoren tobt sich aus, um euch bei der Stange zu halten. Eigentlich war ich ja gestern schon dran. Leider hab ich’s dann total verschwitzt, meinen Gastbeitrag zu schreiben. Also gibt’s heute nach Robert gleich noch einen! Wer mich noch nicht kennt: Ich bin unter dem Nick beetFreeQ im Netz unterwegs und schreibe sonst meinen Senf auf meinem eigenen Blog freeQnet!
Was ein Ende hat, muss auch einen Anfang haben! Und wo Endgültig drauf steht, wollen wir auch nicht vergessen, wie Dinge ihren Anfang nehmen. Eine Leidenschaft, die Sascha und ich teilen, sind sicherlich Kinofilme. Und um das mal schlau zu kombinieren, habe ich mir gedacht, ich schreibe über Filme und ihre Intros!

Als das Kino noch in seiner Kinderschuhen steckte, war man froh, überhaupt etwas auf die Leinwand zu bekommen. Mit der Zeit entwickelte sich aber eine wahre Kunst darin, nicht nur einfach Szenen abzudrehen, sondern die Filme auch immer mehr durch besondere Effekte von der Masse abzuheben. Ein gerade in den 50ern bis 70ern sehr beliebter Ansatzpunkt waren neben den normalen Special Effects auch die Filmintros. Für jede Art von Kinofilm wurden aufwändig animierte und einfallsreiche Titelsequenzen erstellt, die oft genau so in Erinnerung blieben wie die Filme selbst.

Leider geriet diese Kunst nach und nach in Vergessenheit. Die Verantwortlichen wollten den Film in den Mittelpunkt rücken, schneller zur Sache kommen. Oftmals beschränkte sich die Einleitung eines Filmes nur noch auf die Nennung der Hauptdarsteller und des Titels, teilweise sogar noch weniger. Nur wenige Ausnahmen wie die seit je her durch besondere Intros bekannte James-Bond-Serie hielten der Kunst ihre Treue.

Glücklicherweise sieht die Sache heute wieder etwas anders aus. Nicht zuletzt die immer mehr ins Rampenlicht rückenden Indiefilme, denen Hollywood-Konventionen relativ egal sind und der Erfolg von nicht amerikanischen Filmen hat einfallsreiche Introsequenzen wieder in Mode gebracht.

Im Folgenden stelle ich einmal die meiner Ansicht nach zehn besten Titel-Sequenzen der vergangenen 20 Jahre vor. Eine Rangliste gibt es nicht, sortiert wird nach dem Jahr der Produktion!

Delicatessen (1991)

Jean-Pierren Jeunet’s schwarze Endzeit-Komödie fällt sowieso durch eine besondere Cinematografie auf. Das Intro dazu ist dementsprechend auch erste Sahne und in Sachen Einfallsreichtum kaum zu toppen.

Das Intro auf Youtube (Einbetten war leider nicht erlaubt)

Sieben (1995)

Auch David Fincher ist für bildhafte Sprache und außergewöhnliche Schnitte bekannt. Mit diesem Intro zu dem Thriller Sieben wird gleich die richtige düstere Atmosphäre erzeugt.

Die fabelhafte Welt der Amelie (2001)

Jeunet zum Zweiten. Die Titelsequenz zu seinem bisher größten Erfolg kommt zwar nicht ganz an die Genialität derjenigen von Delicatessen heran, führt Amelie als Charakter aber perfekt ein.

Catch Me If You Can (2002)

Stephen Spielbergs Krimikomödie ist nicht nur inhaltlich eine Hommage an die Filme der 60er. Auch die Introsequenz erinnert stark an Saul Bass, den Großmeister der Intros in den 60ern.

Panic Room (2002)

Leider war die Introsequenz von Fight Club nicht zu finden, aber auch die Introsequenz von Fincher’s Nachfolger “Panic Room” hat es in sich. Hier werden die Namen der Mitwirkenden in Kamerafahrten über die Stadt eingewoben, als würden sie wirklich dort schweben.

Euro Trip (2004)

Während der Film selbst nur ein äußerst mittelmäßiger Abklatsch der Teenie-Komödie “Road Trip ist, wird die geniale Introsequenz wie eine animierte Version dieser Infoflyer zum richtigen Verhalten im Flugzeug dargestellt – passend zur Komödie natürlich mit allem anderen als ernst gemeinten Anweisungen.

Kiss Kiss Bang Bang (2005)

Als etwas im Mainstream untergegangenes Kleinod unter den Krimi-Komödien kommt “Kiss Kiss Bang Bang” daher, das nicht nur im Namen an James Bond erinnert sondern auch eine entsprechend kongeniale Titelsequenz in Petto hat. Der Einfluss von Saul Bass ist auch hier unverkennbar.

Lord Of War (2005)

“Lord Of War” ist ein bitterböse satirischer Thriller über die Machenschaften der Waffenhändler. Passend dazu kommt das schon als Kult geltende Intro, in dem das “Leben” einer Gewehrpatrone von der Herstellung bis zum Einschlag in sein Ziel genial und drastisch aus der Ich-Perspektive dargestellt wird.

Thank You For Smoking (2005)

Im Anschluss gleich noch eine Satire, diesmal auf die Tabakindustrie. Was liegt da näher, als die Filmcredits auf Zigarettenpackungen dargestellt zu servieren? Der Song dazu macht die Sequenz perfekt.

Juno (2007)

Last but not least habe ich noch den tollen Indiefilm “Juno” im Angebot. Das Intro hat mit der Mischung aus Realfilm und Zeichnung seinen ganz eigenen Stil und war damit Inspiration für tonnenweise nachahmende Plakate, Webseiten oder folgende Filmintros.

Ich hoffe, ich konnte euch einen interessanten Einblick in die Kunst des Filmintros geben. Die Videos gibt’s auch noch zusammengefasst als Playlist (konnte ich leider nicht einbetten). Sicher gibt es viele tolle Intros, die ich nun vergessen habe oder vielleicht selbst nicht mal kenne. Wenn euch noch welche einfallen, nennt sie doch einfach in den Kommentaren!

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4 KOMMENTARE

  1. kasumi hat diese würzigen Worte am 18. Oktober 2009 hinzugefügt| Permalink

    gute auswahl =) jedenfalls die, die ich kenne. die andern will ich nich angucken, weil ich die filme ja vllt irgendwann sehe^^

  2. Schorsch hat diese würzigen Worte am 18. Oktober 2009 hinzugefügt| Permalink

    Oh, sehr schön, da hab ich vor ein paar Monaten auch mal etwas zu geschrieben (hier).

    Ein Thema was mir unglaublich Spaß macht. Wir haben auch ein paar Überschneidungen, aber es sind auch welche dabei die hier noch nicht genannt wurden.

  3. juliaL49 hat diese würzigen Worte am 19. Oktober 2009 hinzugefügt| Permalink

    Eine wirklich schöne Mischung und vielleicht komme ich doch noch irgendwann mal dazu, mir Panic Room und Kiss Kiss Bang Bang anzusehen :)

  4. Sascha hat diese würzigen Worte am 27. Oktober 2009 hinzugefügt| Permalink

    Sehr gute Idee. Toll. Über die Intros habe ich mir bisher noch nie wirklich Gedanken gemacht. Ich muss mal etwas mehr darauf achten.

Ein Trackback

  1. [...] hiermit nur mal schnell drauf hinweisen, dass ich für Sascha vom Blog “Endgültig” einen Gastbeitrag namens “Endgültig am Anfang” geschrieben habe. Leider habe ich meinen eigentlichen [...]

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