Cinephil
Über den Wolken…
10. Feb
„Avatar – Aufbruch nach Pandora“ habe ich nun auch gesehen. Sogar in 3D. Die Geschichte wie erwartet: dünn…ein Guter und ein Böser…der/die/das Gute gewinnt…wie das so ist… in den meisten Hollywood-Streifen (kleine Anmerkung am Rande: in seinem anderen Blockbuster Titanic „gewinnt“ das Gute nicht unbedingt
).
Da es mein erster 3D-Film war kann ich sagen: ich hatte keine Kopfschmerzen, keine Augenschmerzen und fand den Film ob seiner Farben und Formen ziemlich gut. Nicht mehr und nicht weniger.
Rating: 









Ein weiterer Kinobesuch bescherte mir dann den Film „Up in the air“; oscarnominiert und schon im Vorfeld mit einigen Lorbeeren bespickt. Und was soll ich sagen: ein super Film, absolut sehenswert und grandios witzig auf einem anständigen Niveau. Eben nicht so flach, wie das meiste was man so zu sehen bekommt.
Meine kurze Kritik:
Über den Wolken ist die Freiheit für Ryan Bingham (George Clooney). 322 Tage im Jahr ist der passionierte Vielflieger in der Luft oder in Flughafen-Hotels. Dauernd unterwegs zu Firmen irgendwo in den USA, wo er die unliebsame Aufgabe übernimmt, Mitarbeiter möglichst schmerzfrei über ihre Entlassung zu informieren.
Ryan selbst hat nur ein Ziel: Er will der siebte Mensch werden, der als Frequent Flyer die 10-Millionen-Meilen-Schallmauer durchbricht.
Doch dann lernt er die Geschäftsfrau Alex (Vera Farmiga) kennen, die eine menschliche Seite in ihm weckt, die er längst vergessen glaubte. Sein erfülltes Nomadenleben scheint komplett ausser Kontrolle zu geraten: Wo soll ein Mann hin, der kein Zuhause hat?
Als wär’s ein Blick durchs Schlüsselloch auf Clooneys Lifestyle – sofern man der Boulevard-Presse Glauben schenken darf. Immer unterwegs, ständig umschwärmt von gutaussehenden Karrierefrauen, smart, schlagfertig, und geplagt von permanenten Bindungsängsten. Aber nicht nur alleine aufgrund Clooneys Performance als ‚Flight Addict‘ Ryan und gewisser Parallelen zu seinem Lebensstil bietet „Up in the Air“ 100 Minuten lustvolle Unterhaltung. Amüsante Anektoten aus der Welt der Fliegerei, rasantes Erzähltempo, sozialkritische Anspielungen und das glaubwürdige Psychogramm eines notorischen Junggesellens und Workaholics machen Jason Reitmans Komödie zu einem erstklassigen Kinovergnügen. Die verbalen Schlagabtausche sind großartig.
Quintessenz: Ausgeklügelte Dramaturgie, präzise beobachtete Details, witzige Dialoge und ausgezeichnete Darsteller machen den hintergründigen, vielschichtigen Film zu einem amüsanten und intelligenten Gesamtpaket. Uneingeschränkt sehenswert!
Rating: 









Die Oscar-Nominierungen live
02. Feb
Gleich ist es endlich wieder soweit und die Nominierungen werden raus gehauen…für euch hier die Chance live dabei zu sein.
Um 14.38 Uhr MEZ geht es los.
HIER WAR EINMAL EIN LIVESTREAM
So, das Video habe ich nun entfernt, da die Nominierungen ja nun schon gelaufen sind, bringt ein Livestream ja nichts mehr.
Hier die Verkündungen:
Bester Film
Avatar (James Cameron & Jon Landau)
The Blind Side
District 9 (Carolynne Cunningham & Peter Jackson)
An Education (Finola Dwyer & Amanda Posey)
Tödliches Kommando – The Hurt Locker
Inglourious Basterds (Lawrence Bender)
Precious (Lee Daniels, Gary Magness & Sarah Siegel-Magness)
A Serious Man (Joel & Ethan Coen)
Oben (Jonas Rivera)
Up in the Air (Daniel Dubiecki, Ivan Reitman & Jason Reitman)
Beste Regie
James Cameron für «Avatar»
Kathryn Bigelow für «Tödliches Kommando – The Hurt Locker»
Quentin Tarantino für «Inglourious Basterds»
Lee Daniels für «Precious»
Jason Reitmann für «Up in the Air»
Bester Schauspieler
Jeff Bridges für «Crazy Heart»
George Clooney für «Up in the Air»
Colin Firth für «A Single Man»
Morgan Freeman für «Invictus – Unbezwungen»
Jeremy Renner für «Tödliches Kommando – The Hurt Locker»
Beste Schauspielerin
Sandra Bullock für «The Blind Side»
Helen Mirren für «Ein Russischer Sommer»
Carey Mulligan für «An Education»
Gabourey Sidibe für «Precious»
Meryl Streep für «Julie & Julia»
Bester Nebendarsteller
Matt Damon für «Invictus – Unbezwungen»
Woody Harrelson für «The Messenger»
Christopher Plummer für «Ein Russischer Sommer»
Stanley Tucci für «In meinem Himmel»
Christoph Waltz für «Inglourious Basterds»
Beste Nebendarstellerin
Penélope Cruz für «Nine»
Vera Farmiga für «Up in the Air»
Maggie Gyllenhaal «Crazy Heart»
Anna Kendrick für «Up in the Air»
Mo’Nique für «Precious»
Bester Animationsfilm
Coraline (Henry Selick)
Der Fantastische Mr. Fox (Wes Anderson)
Küss den Frosch (John Musker & Ron Clements)
Brendan und das Geheimnis von Kells (Tomm Moore)
Oben (Pete Docter)
Bestes adaptiertes Drehbuch
District 9 (Neil Blomkamp & Terri Tatchell)
An Education (Nick Hornby)
In the Loop (Jesse Armstrong, Simon Blackwell, Armando Iannucci & Tony Roche)
Precious (Geoffrey Fletcher)
Up in the Air (Jason Reitman & Sheldon Turner)
Bestes Originaldrehbuch
Tödliches Kommando – The Hurt Locker (Mark Boal)
Inglourious Basterds (Quentin Tarantino)
The Messenger (Alessandro Camon & Oren Moverman)
A Serious Man (Joel & Ethan Coen)
Oben (Bob Peterson, Pete Docter & Tom McCarthy)
Bestes Szenenbild
Rick Carter und Robert Stromberg für «Avatar»
Dave Warren und Anastasia Masario für «Das Kabinett des Doktor Parnassus»
John Myrhe für «Nine»
Sarah Greenwood für «Sherlock Holmes»
Patrice Vermette für «The Young Victoria»
Beste Kamera
Mauro Fiore für «Avatar»
Bruno Delbonnes für «Harry Potter und der Halbblut Prinz»
Barry Ackroyd für «Tödliches Kommando – The Hurt Locker»
Robert Richardson für «Inglourious Basterds»
Christian Berger für «Das weiße Band»
Beste Kostüme
Janet Patterson für «Bright Star»
Cahterine Leterrier für «Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft»
Monique Prudhomme für «Das Kabinett des Doktor Parnassus»
Colleen Atwood für «Nine»
Sandy Powell für «The Young Victoria»
Bester Schnitt
Stephen Rivkin, John Refoua und James Cameron für «Avatar»
Julian Clarke für «District 9»
Bob Murawski und Chris Innis für «Tödliches Kommando – The Hurt Locker»
Sally Menke für «Inglourious Basterds»
Joe Klotz für «Precious»
Bestes Make-Up
Aldo Signoretti und Vittorio Sodano für «Il Divo»
Barney Burman, Mindy Hall und Joel Harlow für «Star Trek»
Jon Henry Gordon und Jenny Shircore für «The Young Victoria»
Beste Musik
James Horner für «Avatar»
Alexandre Desplat für «Der Fantastische Mr. Fox»
Marco Beltrami und Buck Sanders für «Tödliches Kommando – The Hurt Locker»
Hans Zimmer für «Sherlock Holmes»
Michael Giacchino für «Oben»
Bester Song
Almost There aus «Küss den Frosch»
Down in New Orleans aus «Küss den Frosch»
Loin de Paname aus «Paris 36»
Take It All aus «Nine»
The Wary Kind aus «Crazy Heart»
Bester Tonschnitt
Christopher Boyes und Gwendolyn Yates Whittle für «Avatar»
Paul N. J. Ottosson für «Tödliches Kommando – The Hurt Locker»
Wylie Stateman für «Inglourious Basterds»
Mark Stoeckinger und Alan Rankin für «Star Trek»
Michael Silvers und Tom Myers für «Oben»
Bester Ton
Christopher Boyes, Gary Summers, Andy Nelson und Tony Johnson für «Avatar»
Paul N. J. Ottosson und Ray Beckett für «Tödliches Kommando – The Hurt Locker»
Michael Minkler, Tony Lamberti und Mark Ulano für «Inglourious Basterds»
Anna Behlmer, Andy Nelson und Peter J. Devlin für «Star Trek»
Greg P. Russell, Gary Summers und Geoffrey Patterson für «Transformers 2»
Beste visuelle Effekte
Joe Letteri, Stephen Rosenbaum, Richard Baneham und Andrew R. Jones für «Avatar»
Dan Kaufman, Peter Muyzers, Robert Habros und Matt Aitken für «District 9»
Roger Guyett, Russel Earl, Paul Kavanagh und Burt Dalton für «Star Trek»
Bester ausländischer Film
«Ajami» (Israel)
«El Secreto de Sus Ojos» (Argentinien)
«The milk of sorrow» (Peru)
«Un Prophéte» (Frankreich)
«Das weiße Band» (Deutschland)
Bester Dokumentarfilm
Burma VJ
The Cove
Food, Inc.
The Most Dangerous Man in America: Daniel Ellsberg and the Pentagon Papers
Which Way Home
Bester Kurz-Dokumentarfilm
China’s Unnatural Disaster: The Tears of Sichuan Province
The Last Campaign of Governor Booth Gardner
The Last Truck: Closing of a GM Plant
Music by Prudence
Rabbit á la Berlin
Bester animierte Kurzfilm
French Roast
Granny O’Grimm’s Sleeping Beauty
The Lady and the Reaper
Logorama
A Matter of Loaf and Death
Bester Kurzfilm
The Door
Instead of Abracadabra
Kavi
Miracle Fish
The New Tenants
Popcorn-Welt: Adam und Soul Kitchen
09. Jan
Da fehlen jetzt noch zwei kleine Kritiken zu von mir gesehen Kinofilmen. Der erste ist Adam.
Ein wunderbarer Film, den ich mit meinem Kinobegleiter Schorsch von Zone-G gesehen habe. Er hat auch schon eine Kritik geschrieben, auf die ich hier hinweise und der ich mich vollkommen anschließen kann…
Rating: 









Der zweite ist Soul Kitchen von Fatih Akin.
Die Komödie, die in einem Hamburger Multikulti-Viertel spielt, erhielt den Spezialpreis der Jury in Venedig.
Der Film ist eine zärtliche Liebeserklärung des türkisch-stämmigen Regisseurs an seine Heimatstadt und das Arbeiterviertel Wilhelmsburg, wo der langhaarige Deutschgrieche Zinos Kazantsakis in seinem Restaurant neben von Unkraut überwachsenen Schienen die Stammgäste mit frittierten Speisen versorgt.
Adam Bousdoukos und Moritz Bleibtreu spielen die Hauptrollen.
Der ganze Film spielt in und um das Hamburger Szenerestaurant „Soul Kitchen“. Vorbild dafür war übrigens Adam Bousdoukos’ eigene Taverne in Ottensen.
Im Film setzt sich ein neues Gourmetkonzept langsam durch. Genauer gesagt ist es Heimat und der Nabel der Welt für Akins Protagonisten. Hier läuft für den griechischstämmigen Besitzer Zinos (Adam Bousdoukos) nichts mehr.
Dessen Freundin bricht auf gen Fernost, er selbst zieht sich einen üblen Bandscheibenschaden zu. Und Bruder Ilias (Moritz Bleibtreu) ist ein Kleinkrimineller.
Nach einiger Zeit und Mühe gelingt es, die „Seelenküche“ dank des ebenso begnadeten wie verrückten Kochs Shayn und einer Bedienung mit viel Ausstrahlung auf Trab zu bringen.
„Soul Kitchen“ steht für einen Mikrokosmos von Multi-Kulti, gescheiterten Existenzen, Überlebenskämpfern des Alltags und Romantikern, die ihrer Sehnsucht nachhängen.
Das Thema Multikultur beschäftigt den erfolgreichen Regisseur in all seinen Filmen.
Selbst Sohn türkischer Eltern wuchs der 36-Jährige in Hamburg auf und wollte mit diesem Film eine Art „Heimatfilm“ schaffen, wie er selbst sagt.
Bewusst wählte Akin als Drehorte von Gentrifizierung bedrohte Stadtviertel, Biotope mit unfertigem Charme, die man unter Schutz stellen müsste, weil es sie bald nicht mehr gibt.
Er zeigt auch die schönen und touristischen Seiten der Hanse-Metropole mit Speicherstadt, Elbe und Alster.
Mit dabei die Filmfamilien-Mitglieder „Kneipenwirt“ Adam Bousdoukos („Kurz und schmerzlos“), „Knast-Bruder“ Moritz Bleibtreu („Im Juli“, „Solino“), „Sternekoch“ Birol Ünel („Gegen die Wand“) und Monica Bleibtreu in ihrer letzten Rolle als Familienpatriarchin.
Der Soundtrack, zu dem die Schauspieler sich ihren Lieblings-Soul-Sound aussuchen konnten, verstärkt die intime Atmosphäre und reißt mit. Auch Jan Delay steuerte einen Song dazu bei.
Fernab der Sozial-Komödie schafft Fatih Akin mit seiner luftigen Fingerübung „Soul Kitchen“ einen lockeren Film.
Trotz kleiner Unebenheiten in der zweiten Spielhälfte glänzt sein atmosphärischer Schenkelklopfer als perfekt geschmierte Gagmaschine, deren Handlung trotz Milieuunterbau nicht allzu ernst genommen werden sollte…
Rating: 









Franzosen in London und dämonische Aktivitäten
04. Dez
Nun muss mal noch eine Kritik nachgeholt werden. Nachdem ich ja mal wieder im Kino war, bin ich noch gar nicht dazu gekommen. Ich habe in der letzten Woche zwei Filme gesehen. Einmal „Wenn wir zusammen sind“ und dann „Paranormal Activity“. Zu beiden Filmen bleibt mir vorweg nur zu sagen, dass pubertierendes Publikum im Kino ebenso grauenvoll und nahezu unerträglich ist, wie Publikum in den Lebensjahren ab etwa 50. Beide Gruppen, also die Jungen wie die Alten, können einfach ihren Mund nicht halten und fallen nur durch schlechtes Benehmen auf. Ich erwähnte glaube ich schonmal, dass die ältere Generation immer auf die Jugend schimpft (oder besser auf die jüngeren Leute), weil sie kein Benehmen haben usw.
Ich sage dazu nur: Wenn das was die Alten machen Benehmen sein soll, dann staune ich nur noch! Aufstehen mitten im Film um erstmal in aller Ruhe die Jacke auszuziehen oder ständiges (lautes!) kommentieren der Handlung sind da nur zwei Beispiele. Arghh!
Kommen wir zum ersten Film, nach einer Romanvorlage von Marc Levy, nun durch seine Schwester Lorraine verfilmt, kommt „Mes amis, mes amours“ ziemlich seicht daher.
Die beiden Freunde Mathias (Vincent Lindon) und Antoine (Pascal Elbé) sind alleinerziehende Väter in den Dreißigern, und so liegt es nahe, sich zusammenzutun. Sie machen eine WG auf und unterwerfen sich strengen Regeln: In ihrem Haus wird es keine Babysitter geben, denn die Kinder werden selbst erzogen – und vor allem keine Frauen.
lles geht gut, bis sich Mathias und Audrey näherkommen. Plötzlich steht die scheinbar unerschütterliche Freundschaft auf dem Prüfstand…
Kritik:
Die ganze Geschichte wirkt zu dick aufgetragen und bietet wenig Überraschungsmomente. Die Liebesgeschichte, die im Zentrum des Films angesiedelt ist, lässt einen weitestgehend emotionslos zurück. Der Diskrepanz zwischen der frankophonen Lebensart und der eher rationalen britischen Lebensart wird als Spannungsmotiv zu wenig Entfaltungsspielraum gegeben. Wenn wir zusammen sind“ ist für unverbesserliche Romantiker mit Hang zur leichten Kost geeignet, die auf etwaige dramaturgische Reibungspunkte gut verzichten können.
Rating: 









Was passiert eigentlich wenn wir schlafen? Was geschieht um uns herum im Schlafzimmer, in der Wohnung, im Haus? Wir wissen es nicht, denn wir schlafen ja. Genau darum geht es in „Paranormal Activity“.
Als das glückliche Pärchen Micah (Micah Sloat) und Katie (Katie Featherston) zusammen in ein beschauliches Vororthäuschen zieht, steht ihrer Beziehung eine harte Probe bevor. Ihre Nachtruhe wird immer wieder von komischen Geräuschen gestört, so dass Micah beschließt, ihren Schlaf mit einer Videokamera zu überwachen. Am nächsten Morgen offenbaren die Aufzeichnungen Schreckliches: Ohne menschliche Einwirkung bewegt sich die Schlafzimmertür und merkwürdige Laute sind leise aus dem Wohnzimmer zu vernehmen. Ein zu Rate gezogener Parapsychologe (Mark Fredrichs) klärt das Paar darüber auf, dass Katie von einem Dämon verfolgt wird. Ausgerechnet den überlebenswichtigen Ratschlag, mit dem Dämon nicht in Kontakt zu treten, „überhört“ Micah und setzt damit den nächtlichen Terror endgültig in Gang…
Kritik:
Da der Film nur 15.000 Dollar kostete und im „Blair-Stil“ gedreht ist, verwundert es kaum, dass er der profitabelste Film der letzten Jahre ist. Leider überzeugt er nur in zwei, drei kleinen Momenten und ebbt dann direkt wieder ab. Richtig gruselig ist er nicht, aber eben auch nicht so schlecht, dass man herzhaft lachen könnte. Amerikaner haben eben einen durchweg schlechten Geschmack. Man sieht es immer wieder…
Rating: 









Looking for Eric
12. Nov
Gestern war mal wieder Kinozeit. Es ging in „Looking for Eric“. Der Film ist eine Hommage an den kleinen Mann der englischen Unterschicht und an die wichigste Nebensache der Welt: Sex Fußball!
Ken Loach ist bekannt für filmisch umgesetzte Sozialkritik, die meist ernst ist; doch dieses mal ist sie gespickt mit Humor und einem heiteren Unterton.
Eric Cantona hilft einem verzweifelten Postboten zurück ins Leben. Fußball ist eben doch die wichtigste Sache der Welt und das weiß Ken Loach zwar, doch geht es ihm dann doch nicht vordergründig um den Sport.
Das Leben lässt sich immer wieder neue Hindernisse einfallen, aber die können eben überwunden werden. Und zwar mit Vorbildern, Freundschaft und Selbstvertrauen. Doch dazu muss man sich erst einmal den eigenen Ängsten und Fehlern stellen.
Das fällt Eric Bishop (Steve Evets) schwer, einem Postboten aus Manchester und leidenschaftlichem Fußballanhänger. Vor Jahren hatte er seine Freundin mit der gerade geborenen Tochter sitzen lassen, jetzt schlägt er sich mit Stiefsöhnen im Teenageralter herum. Nicht nur wegen deren Verstrickung ins lokale Gaunermilieu marschiert Eric geradewegs in eine große Depression.
Mit erzählerischer Leichtigkeit bringt Ken Loach diesem grundsympathischen Typen bei, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Dazu lässt er Eric Cantona leibhaftig werden: Der Fußballer steigt aus den Postern, die Erics Zimmer pflastern, setzt sich zu ihm aufs Bett und beginnt eine Therapie, die so unkonventionell wie witzig ist.
Ein bisschen Lauftraining hier, viel Lebensphilosophie dort. Und alles lässt sich mit Fußball erklären…
Da kann man gar nicht anders, als wieder Mut zu fassen und sich der ehemaligen Freundin zu stellen. Zumal Erics Kollegen und Stadionkumpel, in einer umwerfenden Szene in Kompanie-Stärke anrücken: Sie alle tragen Cantona-Masken und statten dem Gangsterkönig, dem Erics Sohn ausgeliefert ist, einen Hausbesuch ab. So komisch wurde im Kino noch nie ein ernsthaftes Problem mit der Unterwelt gelöst.
„Looking for Eric“ ist ein Märchen, aber mit genauem Blick auf das soziale Umfeld der Unterschicht. Bei allem Vergnügen, bei all den spritzigen Schlagabtäuschen und dem hintersinnigen Humor, verliert der mittlerweile 73-jährige Regisseur nie die Ernsthaftigkeit aus den Augen.
Das der Film nicht ins Kitschige abdriftet, verdankt er dem guten Drehbuch mit fantastischen Dialogen und den beiden Erics: Hauptdarsteller Steve Evets macht aus Eric Bishop eine facettenreiche Figur, die dank ihres umwerfenden Charmes die Sympathien des Publikums mit Leichtigkeit erobert, dabei aber glaubwürdig bleibt, Zweifel und Fehler zulässt.
Und Eric Cantona stellt klar: „Ich bin kein Mensch, ich bin Cantona.“
Damit ist alles gesagt!
TRAILER
Rating: 












Darf's noch was Senf sein?